Leben und Bildung vor der Haft:
Nachdem Herr M. mit 4 Jahren gemeinsam mit seiner Familie aus Bosnien vor dem Jugoslawienkrieg geflüchtet ist, geht er bis zur 9. Klasse in Deutschland zur Schule. Trotz eines eher schlechten Hauptschulabschlusses, beginnt er danach eine Ausbildung als Koch. Nach der abgeschlossenen Berufsausbildung rutscht Herr M. ab und verbringt viel Zeit in Spielhallen. Aus Geldnot beginnt er mit Drogen zu handeln, was letztlich in einer fast 6-jährigen Haftstrafe endet. Da ist er grade einmal 21 Jahre alt.


Die Haftzeit:

Die ersten neun Monate verbringt Herr M. in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg. Sein Bruder, der ebenfalls einschlägige Erfahrungen gemacht hatte, erzählt ihm von einer Fernschule, die einen Schulabschluss in Haft ermöglicht. Motiviert durch die bevorstehende langjährige Haftstrafe und mit der Hoffnung auf eine echte Perspektive danach, beginnt Herr M. erstmal allein die Schule der UHA zu besuchen.
Nach seiner Verlegung in die JVA Fuhlsbüttel wird eine Lehrerin in der Anstalt auf Herr M. aufmerksam und bietet, dem schon da sehr fleißigen Schüler, Kontakt zu den Ehrenamtlichen des Hamburger Fürsorgevereins an. Ab diesem Zeitpunkt unterstützen ihn 3-4 Ehrenamtliche in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch sowie in Gemeinschaftskunde und Wirtschaft. Wöchentlich kamen die Ehrenamtlichen jeweils für 1,5 Stunden in die Anstalt. Diese Chance ermöglicht ihm, nach langer Zeit ohne Schule, den Widereinstieg in den Unterrichtsstoff.

Die waren immer da, wenn es möglich war. Das war wirklich gut und hat mir sehr geholfen!“.

2014 folgt die Verlegung in den offenen Vollzug in die JVA Glasmoor. Die Unterbringung in den Mehrpersonensälen wird zu einer Herausforderung für sein Ziel, die Schule zu beenden.

Da ist mit lernen gar nichts. Du kennst die Leute nicht, die spielen da den ganzen Tag Karten, rauchen und sind laut. Da ist das sehr, sehr schwer!“.

Die JVA Glasmoor sieht eine rein schulische Laufbahn nicht vor, sondern verpflichtet die Inhaftierten zum Arbeiten. Nachdem Herr M. deswegen in der Küche und Fertigung gearbeitet hat, sucht er sich außerhalb der JVA einen Job als Kellner und macht diesen so lange, bis die Anstaltsleitung nachgibt und ihm doch gestattet zur Schule zu gehen.
Auch hier unterstützt ein Ehrenamtlicher mit einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Richter.
An einer staatlichen Schule erreicht Herr M. daraufhin seine Fachhochschulreife mit einem sehr guten Ergebnis.


Nach der Entlassung:

2016 beginnt Herr M., dank seines guten Abschlusses, an der HAW ein Studium als Verfahrenstechniker. Für die Zeit nach der Haft und den Beginn des Studiums bekommt Herr M. Hilfe von Sprungbrett e.V., wo vor allem Dinge wie Wohngeld-, BaföG-, und Bewerbungsanträge mit ihm bearbeitet werden. Der Einstieg in das Mathematik- und Physikniveau an der Universität wird weiter von den Ehrenamtlichen unterstützt. Ebenso wie die Korrektur der Bachelorarbeit am Ende seines Studiums. Mittlerweile hat Herr M. auch diese sehr gut bestanden und eine feste Zusage für einen Masterstudienplatz an der HAW in Englischer Sprache. Hier wird er wieder von einer Ehrenamtlichen begleitet.


Neben der Unterstützung seiner Familie, bezeichnet Herr M. die Ehrenamtlichen des Hamburger Fürsorgevereins, als wichtigste Menschen in seiner Vergangenheit.

 „Ich kann ehrlich gesagt nichts finden, was sie hätten besser machen können! Das sind super Menschen, wirklich. Ich kann nur das Beste sagen!“


Der mittlerweile freundschaftliche Kontakt besteht noch mit allen seinen ehrenamtlichen WegbleiterInnen. Zukünftig möchte Herr M. seinen Masterabschluss schaffen, einen guten Job finden und das Leben genießen. Aber vor allem möchte auch er ehrenamtlich tätig werden, beispielsweise bei Programmen wie „Gefangene helfen Jugendlichen!“.

Wir drücken die Daumen, dass seine Pläne weiterhin so reibungslos in Erfüllung gehen und wünschen alles Gute!

Verfasserin: Johanna P. (Praktikantin HFV)