In der Regel werden wir Insassen werktags morgens um 6:00 geweckt, dabei wird überprüft ob es uns noch gut geht und wir am Leben sind. So ein Vorgang wird in der JVA (Justizvollzugsanstalt) Lebendkontrolle genannt. Danach ist dann eine Stunde der Hofraum offen, wo man z.B. duschen kann, Frühstück zubereiten in der Gemeinschaftsküche, Wäsche zur Hauskammer bringen oder einfach nur „wach werden“ kann oder mit anderen Kaffee trinken. Aber auch Urinkontrollen finden in dieser Zeit statt.

Ab ca. 7 Uhr findet dann der sogenannte Arbeitsumschluss statt. Das bedeutet, dass die Gefangenen zur Arbeit gehen. Es gibt verschiedene Berufe, wie z.B. Maurerei, Malerei, Klempner, Hauskammer, Wäscherei, E – Werkstatt, Garten- und Landschaftsbau, Küche, Bäckerei, Schule (z.B. für Fernstudium oder Deutschkurse), Bücherei, Hausarbeiter, Druckerei, Buchbinderei, Tischlerei etc. In einigen dieser Branchen kann man auch eine Ausbildung machen (z.B. Küche, Tischlerei, Maurerei, Malerei, Garten und Landschaftsbau, E- Werkstatt). Die Arbeitszeit am Morgen ist meist in der Zeit von 7:00-11:00 Uhr. Danach kommen die Gefangenen wieder zurück auf Ihre Stationen.
Die JVA Fuhlsbüttel ist in verschiedene Stationen aufgeteilt. Neuzugänge kommen auf die Zugangsstation. Der weitere Vollzug ist dann gegliedert in: Basisstation, Entwicklungsstation, Bewährungsstation. Zusätzlich gibt es dann noch die Jungtäter/Therapiestation. Diese ist für Gefangene, die die Straftaten in einem Alter unter 30 Jahren begangen haben. Sinn und Zweck des sogenannten Strafvollzugs ist das Erarbeiten weiterer „Annehmlichkeiten“ wie z.B. mehr Besuchsmöglichkeiten, längere Aufschlusszeiten, sowie mehr Telefonzeit.

Ab 11:00 beginnt dann die Mittagspause. In dieser Zeit sind die Hafträume auf Station geöffnet und man kann sich auf Station frei bewegen. In dieser Zeit besteht dann zudem die Möglichkeit auf die Kammer und Revision zu gehen, um z.B. Wäsche abzuholen, Pakete in Empfang zu nehmen.

Gegen 11:15 ist dann die Mittags-/ Abendessenausgabe. Dieses wird durch den Hausarbeiter ausgegeben. Das Mittagessen ist in Aluschalen abgepackt, so dass jeder dieselbe Portionsgröße bekommt. Das Essen wird von den Insassen meistens in den Hafträumen eingenommen, da es keinen Speisesaal gibt. Es gibt zwar den Lichthof (dort stehen 2-3 Tische), wo aber die meisten sitzen zum Spielen.

Ab 12:15 ist erneut Arbeitsumschluss der Betriebe. Ab 12:30 ist dann Einschluss für diejenigen, die nicht mehr zur Arbeit gehen.

Die Einrückzeiten der Arbeitsbetriebe ist unterschiedlich abhängig vom Wochentag. Es gibt dann nach der Arbeit „Freistunde“. Das bedeutet, dass man 1 Stunde in den Freistundenhof gehen kann um spazieren zu gehen, Sport zu machen oder einfach mit anderen Insassen ins Gespräch zu kommen. Nach dieser Stunde geht es dann wieder auf die Stationen, wo man bis 18:25 Freizeit hat. Am besten erkläre ich das noch mal an einem Wochentag, den Montag:

6:00 – 7:00 Aufschluss

7:00 – 11:00 Arbeit in den Betrieben

11:00 – 12:15 Mittagspause

12:15 – 15:45 Arbeit in den Betrieben oder Einschluss

16:30 – 17:30 Freistunde

17:30 – 18:25 Freizeit

Zusätzlich werden noch Gesprächs- und Freizeitgruppen angeboten, teils von Institutionen außerhalb und auch vom Fürsorgeverein. Dies sind z.B.:

Musikgruppe, Literaturgruppe, Wendepunkt – eine christliche Gruppe, Regenbogengruppe, Spielegruppe, Yoga, Therapiegruppe, wie z.B. Drogen/Alkohol.

Dies ist für viele Insassen ein Highlight, da es einfach eine notwendige Abwechslung in den Alltag bringt. Besonders zu erwähnen ist, dass diese Gruppen (ausgenommen der Therapiegruppen) ausschließlich von „Ehrenamtlichen“ geleitet werden. Gerade in der heutigen Zeit ist das nicht selbstverständlich!

Um 18:25 ist Einschluss und somit ein weiterer „Hafttag“ beendet. Das bedeutet, dass jeder auf seinen Haftraum geht, und der Tag beendet ist. Gegen 22:00 ist dann Nachtruhe in St. Fu (JVA Fuhlsbüttel)!

An den Wochenenden sieht es etwas anders aus, späterer Aufschluss (8:00). Zudem finden am Wochenende immer Gottesdienste statt, immer im Wechsel von evangelischen und katholischen Menschen! Zu erwähnen ist, dass auch ein russisch-orthodoxer Gottesdienst angeboten wird, wie auch das Freitagsgebet für Muslime.

Besuch wird auch angeboten, allerdings durch die Corona-Pandemie doch sehr minimiert. Jeder Gefangene kann 1Std. pro Monat Besuch erhalten. Zu Normalzeiten waren das fast 4 Std. im Monat. Aber diese Corona-Pandemie ist auch fester Bestandteil in Haft. Einschränkungen, Vorkehrungen wie z.B. Maske tragen ist hier ebenfalls Alltag. Am härtesten trifft es uns hier, dass kaum Besuche stattfinden können und wenn dann nur unter strengen Auflagen. Das ist gerade den Familien mit Kindern kaum zumutbar.

Aus diesem Grunde wurde zu Beginn der Corona-Zeit den Insassen genehmigt, ein Mobiltelefon zu erwerben (kein Smartphone) um die doch so wichtigen Sozialkontakte aufrechtzuerhalten. Großes Unverständnis kam von außerhalb der Gefängnismauern, auch von politischen Parteien! Wie kann es sein, dass „Knackis“ (Aussage eines Politikers) sogar vom Knast aus Geschäfte machen können?
Dies ist in meinen Augen eine kleinkarierte, diffamierte Aussage. Aber das zeigt doch deutlich, dass wir Gefangene über gar keine Lobby verfügen und einfach nur abgestempelt sind. Natürlich sind wir nicht ohne Grund inhaftiert und sitzen zu Recht unsere Strafe ab, aber haben wir nicht das Recht uns nach der Haft zu beweisen und ein Recht auf Leben haben? Ich finde es oft unerträglich, wie gerade auch von den Medien über Gefangene berichtet wird! Auch wir Gefangene haben das Recht auf Gleichberechtigung.

Bezüglich der Handys möchte ich nicht in Abrede stellen, dass es vereinzelt sicherlich Missbrauch gab. Trotzdem finde ich nun die Entscheidung des Justizministeriums Hamburgs für fraglich, die Handys wieder einzuziehen. Die Corona-Pandemie ist bei Weitem noch nicht im Griff und wir Insassen können von Glück sprechen, dass die JVA bisher verschont geblieben ist. Trotz allem ist hier kein Normalvollzug momentan und die Besuche stark eingeschränkt bzw. aufgehoben wie Langzeitbesuche.

Ich persönlich finde es auch sehr schwierig, immer alle zu „bestrafen“. Warum muss die Mehrheit die Fehler der anderen mittragen?

Die letzten Zeilen waren meine persönlichen Empfindungen.

Ich hoffe Sie konnten einen Einblick in den Haftalltag bekommen.

Herzlichst …