Viertel nach sechs wirst du geweckt. Da wird die Tür einfach aufgemacht und „Guten Morgen“ gesagt und die Tür wird dann angelehnt. Von außen ist sie dann geschlossen, von Innen kannst du sie jederzeit aufmachen. Man hat dann einen eigenen Schlüssel und da kannst du dich dann auch selber einschließen. Dann hast du eine dreiviertel Stunde bis Ausgang ist zur Arbeit. Wir gehen da immer gemeinsam rüber. Ich habe in der Zeit immer mein Bett gemacht, mein Zimmer bisschen sauber gemacht, gelüftet, weil es ja doch recht klein ist in der Zelle. Ansonsten bisschen Kaffee getrunken, bisschen Nachrichten geguckt, bis wir dann los gegangen sind zur Arbeit.

Man muss bisschen Kenntnis darüber haben und dafür geeignet sein, also es gibt da so Metallwerkstätten und Tischlereien und sowas. Ich war in der Tischlerei an der Plattensäge. Im Schnitt hat man glaub ich so 160€ bekommen dafür und davon wird dann der Fernseher bezahlt und die Wäsche wird dann gemacht, das kostet nochmal 7€. Dann hast du vielleicht 80€ für den Einkauf. Das ist jetzt nicht die Welt, aber du kannst schon bisschen was einkaufen.

Frühstück musste man alles selber machen, sprich du hast den Abend davor dann bisschen Brot, Aufschnitt und sowas bekommen und musstest dir das dann bisschen einteilen, dass du am nächsten Morgen noch was über hattest. Wenn du dann deinen eigenen Einkauf hattest, dann war das alles bisschen leichter. Dann hast du morgens auch bisschen Cornflakes gegessen oder eine Stulle mit Frikadellen oder was man da eben so mag. Das Essen was man dann so bekommt, isst man dann einfach nicht mehr so gerne, denn man hat ja dann eigene Sachen. Wenn du dann Suppe siehst auf einen Mittwoch, dann hast du automatisch keinen Hunger.

Bis Viertel nach Drei bist du dann auf der Arbeit und du kriegst auch das Mittagessen auf die Arbeit geliefert. Die fahren da mit so einem Traktor rum und verteilen das dann auf die Häuser. Dann hast du da gegessen um 12 und dann ja war es entspannt. Das ist kein richtiges Arbeiten da. Du spielst da mehr Karten als alles andere. Der Leiter von der Tischlerei war echt korrekt, der hat immer über alles hinweggesehen, wenn wir da bisschen länger Karten gespielt haben. Wichtig war halt keine Drogen zu konsumieren oder irgendwelche Sachen zu Klauen. Man arbeitet ja da auch mit spitzen Gegenständen: Stecheisen und sowas. Bei jedem Ausgang wird man dann auch kontrolliert. Die haben da ja auch Geschäfte gemacht, mit Tabak oder sonst was. Man muss dort auch kreativ sein. Sprich wenn jemand Hasch hatte oder Gras, dann haben die das gegen Tabak getauscht. Sich bisschen was dazu verdient halt. Das war da wie Gold wert.

Dann wirst du wieder auf deinen Trakt gebracht und dann hast du glaub ich eine halbe Stunde nochmal Einschluss. Danach konntest du da Kicker spielen oder Tischtennis und sowas. Dann hast du eine Stunde Freigang und dann wirst du wieder reingeholt.

Nach einem Antrag kann man dann auch zum Sport gehen. Das war immer zweimal die Woche. Das habe ich auch immer genutzt. Das war ein richtig gut ausgebauter Fitnessraum. Also Billwerder ist da sehr modern im Gegensatz zu Dammtor (UHA), da ist das alles so bisschen altbacken.

Das schlimmste ist, wenn du nicht arbeitest. Während man arbeitet haben die Leute auch Einschluss. Für mich auch sehr wichtig gewesen, dass ich auch raus komme aus der Zelle, weil sonst bist du die ganze Zeit eingesperrt und alleine. Die können vielleicht für eine Viertelstunde Wasser holen oder irgendwas machen, aber dann haben die wieder Einschluss. Das sind wirklich 23 Stunden am Tag in der Zelle und das ist schon nicht ohne. Ich habe mich immer versucht so wenig wie möglich in der Zelle aufzuhalten, weil das echt traurig da ist.

Also halb sieben gehst du dann rein wieder und dann bis morgens. Ich habe mir dann in der Zelle so Wasser genommen und damit bisschen trainiert, versucht mich bisschen abzulenken. Als ich dann später einen Fernseher hatte war das schon beruhigender. Du kommst in die Zelle, du weißt dann die Zeit geht sowieso vorbei. Aber sonst hängst du halt die ganze Zeit, guckst die Wand an, das ist echt Trist.

Meine Familie stand komplett hinter mir. Im Monat durfte man zweimal Besuch haben und ich habe wirklich dann jeden Monat zweimal Besuch gehabt. Mein Bruder, meine Mutter und meine Schwestern sind gekommen. Das hat mir dann auch wirklich immer Kraft gegeben, das bisschen zu überstehen. Das klingt jetzt hart, aber man ist einfach sehr einsam da. Das hat mich wirklich gefreut, aber ich war auch wirklich die zwei Wochen davor immer sehr aufgeregt. Und zwei Wochen danach auch, weil ich war mit dem Kopf dann irgendwie draußen hatte ich das Gefühl. Also das war psychisch schon anstrengend. Wenn die gegangen sind, ich war kaputt, mein Kopf war unten. Dann habe ich mich nach dem Besuch meistens bisschen distanziert von den Leuten, um wieder klar zu kommen, dass man doch hinter Gittern ist. Das hat dann echt 1- 2 Wochen gedauert bis ich das Gefühl hatte wieder in Haft angekommen zu sein. Man konnte auch telefonieren, aber das war immer eine schwierige Sache mit Anträgen. Aber wenn du das dann alles hattest, dann lief das auch. Man hatte dann gewisse Minuten oder Guthaben und die konntest du dann vertelefonieren. Also am Abend, wenn dann Einschluss ist, dann sagst du nochmal „Gute Nacht“ oder so.

Das klingt jetzt hart, aber man ist einfach sehr einsam da.

Johann, JVA Billwerder